Montag, 12. September 2011

Verschluss-Sache!

Technik, die begeistert!
...
Oder: Technik, die Goldschmiede zum Wahnsinn treiben kann!
Es gibt ja solche und solche.
Goldschmiede, meine ich.
Die einen lieben es, sich in kniffligste Techniken und ausgefuchste Mechaniken zu vertiefen, sich solche auszudenken und/oder diese dann ihren Lehrlingen aufzubrummen.
Die anderen absolvieren eben diese aufgebrummten technischen Herausforderungen seufzend, Haare-raufend oder voller Angstschweiss auf der Stirn...so geschehen in unzähligen Zwischen,- oder Abschlussprüfungen!

Vorhang auf für die Verschluss-Sachen!


Also genau die oben geschilderten kniffligen Herausforderungen, an denen kein Goldschmiede-Lehrling vorbei kommt...und die manche dann später zu weiterer Perfektion treiben, freiwillig...!

Meine Kolleginnen aus der Goldschmiede-Gruppe bei DaWanda waren so nett, in ihren Ausbildungsunterlagen zu stöbern, vielleicht mal wieder die eine oder andere technische Zeichnung heraus zu kramen und hier zu zeigen...vielen Dank dafür und die Bereitstellung Eurer Fotos!

Beginnen wir also mit einer Reise in die Vergangenheit...damals, als wir noch an Märchen glaubten (nein, stopp, das tun wir doch hoffentlich auch heute noch!!!)!
Verena von "La petite Rose" , die mir Bilder ihres "Märchenarmreifs" geschickt hat, erinnert sich:

"Der "Märchenarmreif" ist in nervenaufreibender zweiwöchiger Futzelarbeit während meines zweiten Lehrjahres entstanden. Es ist ein Konterscharnierarmreif mit, und jetzt kommt's, einem Kastenschnepperschloß. Jeder Goldschmied kann sich wohl lebhaft vorstellen, dass beim Bau dieses Schmuckstückchens viel Spiel, Spannung und Schokolade (zur Beruhigung meiner Nerven) nötig war. Als kleine Erklärung für alle Nichtgoldschmiede, ein Konterscharnierarnreif mit Kastenschnepperschloß, das sind gleich drei Dinge in einem Erstens ist es erstaunlich schwierig einen wirklich runden Armreif zu schmieden. Zweitens, das Kastenschnepperschloß funktioniert nur dann, wenn das Konterscharnier exakt funktioniert. Und umgekehrt. Und drittens, die beiden Mechaniken Kastenschnepperschloß und Konterschnarnier arbeiten auch nur dann ordnungsgemäß, wenn sie genau gegenüberliegen, sprich, wenn der Armreif exakt rund ist. Das gibt's nun wirklich nicht? Doch, aber man braucht wirklich gute Nerven!"


Und hier kommt das Ergebnis:





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Grit von "Hand-Werks-Art" hat Bilder von Ihrem Gesellenstück geschickt - einer aufwändigen Verschluss-Konstruktion für Manschettenknöpfe, die mich erst zu diesem Beitrag inspiriert haben!



Diese aussergewöhnlichen Manschettenknöpfe gibt es auch zu kaufen, schaut hier
Sie heissen "Chamäleon", weil man(n) verschiedene Kombinationen zusammenstellen kann, dank ausgeklügelter und komplett handgefertigter Wechsel-Mechaniken.

Da man zur Gesellenprüfung immer zwei Entwürfe einreichen muss, kommt hier noch das zweite Stück von Grit. 
Am Anfang steht immer ein langer Prozess der Ideenfindung mit vielen Skizzen, die dann am Ende als detailgetreue Kundenzeichnung und dazu gehöriger technischer Zeichnung ausgearbeitet werden.





Auch hier ein klassischer Schnepper-Verschluss -  für die Trägerin ganz einfach zu bedienen, für die Goldschmiedin eine Detailreiche, anspruchsvolle Arbeit!

Heute, als ausgebildete Goldschmiedin sagt Grit:

"An Schmuck liebe ich versteckte oder ungewöhnliche Verschlüsse, deshalb auch die Bajonettmechanik an den Manschettenknöpfen. Beide Stücke sind natürlich komplett selbst gebaut- es wurden keine vorgefertigten Teile außer den Edelsteinen und den Federn in der Bajonettmechanik verbaut.
Das Material des Colliers ist 925/Sterlingsilber -rhodiniert, da diese Farbe sehr gut zu dem Falkenauge paßt."

Auch Nadine von "Nasteba" hat etwas zu diesem Thema beigesteuert:
Ein Schmuckstück mit Wechselschliessen, die der Trägerin verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung bieten. In diesem Fall sind die eigentlichen Verschluss-Teile zwar nicht in reiner Handarbeit gefertigt, das sei fairerweise an dieser Stelle erwähnt. Das komplette übrige Stück allerdings ist von Hand gearbeitet - und allein das Einbauen der winzigen Bajonett-Schliessen ist eine ordentliche Friemel-Arbeit!


mehr über dieses schöne Stück erfahrt Ihr hier!

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Der Goldschmied Jörg Plaar hat eine Besonderheit für Männer kreiiert: Der luxuriöseste Rasier-Apparat, den ich je gesehen habe! 


Auch hier war eine lange Zeit der Planung und der Vorbereitung nötig, viele Versuche und technisches Know-How, um so ein Stück zu konstruieren! Das Ergebnis ist sicher nichts für den kleinen Geldbeutel, aber dennoch möchte ich Euch dieses ungewöhnliche Stück der Goldschmiedekunst nicht vorenthalten!
Mehr dazu erfahrt Ihr hier!

Mein eigenes Gesellenstück gibt´s nicht mehr...aber immerhin noch das Modell aus Messing und Silber!
Es ist ein Flakon für Parfum, der mit einem Bajonett verschlossen wird. Wie ein Schlüssel verschliesst das Bajonettschloss den Flakon, verziert mit einem hochgewölbten Granat-Cabochon.





Das war mein Ausflug in die Welt der Verschluss-Techniken!
Ich hoffe, es hat Spaß gemacht!

Danke für`s Lesen und bis zum nächsten Mal!





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